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Die Wahrheit darf nicht mit Jean-Claude Duvalier sterben

Jenny Schöberlein  (07.10.2014, 20.00 Uhr)

Der Tod des ehemaligen haitianischen Präsidenten Jean-Claude Duvalier darf nicht dazu führen, dass die Untersuchung und Verfolgung von Verbrechen während seiner Amtszeit, so zum Beispiel Tötungen, Folter, willkürliche Festnahmen, und Verschwindenlassen, gestoppt werden. So Amnesty International heute in einer Pressemitteilung anlässlich des Todes des früheren Diktators.

So müssen z.B. verantwortliche Mitglieder der früheren Milizen und staatlichen Behörden zur Rechenschaft gezogen werden.

„Dies ist nicht das letzte Kapitel in dieser schrecklichen Episode haitianischer Geschichte. Stattdessen sollte es als Erinnerung dienen, dass tausende Opfer noch immer Gerechtigkeit, Wahrheit und Reparationen für Menschenrechtsverletzungen verdienen“, so Erika Guevara Rosas, Amerikas Direktorin bei Amnesty International.

In Reaktion auf den Tod sprach Haitis Präsident Michel Martelly von Versöhnung und nannte Jean-Claude Duvalier einen “wahren Sohn Haitis”. In der Vergangenheit hatte Martelly in verschiedenen öffentlichen Stellungnahmen angedeutet, den früheren Präsidenten zu amnestieren. Obwohl gegen ihn wegen Veruntreuung ermittelt wurde, wurde Jean-Claude Duvalier 2013 ein diplomatischer Pass ausgestellt und er hat an mehreren offiziellen Zeremonien und Veranstaltungen teilgenommen. „Präsident Martelly hätte Mitgefühl mit den tausenden Opfern des Duvalierismus zum Ausdruck bringen können und an Verbrechen, die in der Zeit begangen wurden, erinnern können. Stattdessen entschied er sich bewusst dafür, lediglich „Trauer“ und „Mitgefühl“ mit der Duvalier Familie zu bekunden. Dies ist ein Schlag ins Gesicht für die Menschenrechte und den Kampf der Opfer um Gerechtigkeit“, so Erika Guevera weiter.

Während Jean-Claude Duvaliers Präsidentschaft von 1971 und 1986 starben hunderte Menschen in Gefängnissen und Folterzentren. Von willkürlichen Festnahmen, Folter, Tod in Gewahrsam, gewaltsamem Verschwindenlassen und politischen Tötungen wurden regelmäßig berichtet. Haitianische Behörden verfolgten politische Aktivisten, Journalisten, Gewerkschaftler und Dissidenten. Extralegale Inhaftierungen waren ebenfalls weit verbreitet.

Die Pressemitteilung "Haiti: The truth must not die with Jean-Claude Duvalier" finden Sie auf der internationalen Homepage.




Eilaktion: Bewohnerin eines Notlagers getötet

Jenny Schöberlein  (01.10.2014, 17.00 Uhr)

UA-247/2014Index: AMR 36/013/20140

erschossen:

Frau CARLINE JEAN

durch Schüsse verletzt:

Frau JANVIER CLORAINE

VILON GUERY, einjähriger Junge


Von der Gemeindebehörde beauftragte Männer haben in der Nähe eines Notlagers für Binnenflüchtlinge in Port-au-Prince Schüsse abgefeuert, um Straßenverkäufer_innen zu vertreiben. Dabei ist eine Bewohnerin des Lagers getötet worden, zwei weitere wurden nach einer Demonstration von Polizeibeamt_innen verletzt. Die Menschen im Notlager befürchten weitere

Gewalttaten durch die Gemeindebehörde und die Polizei.

Am 26. September haben bewaffnete Angehörige der Straßenkontrollbrigade von Delmas (Brigade de Contrôle des Rues - BRICOR) versucht, Verkäufer_innen von einer öffentlichen Straße zu vertreiben. Die Männer und Frauen hatten Waren in dem Bereich neben dem Vertriebenenlager "Acra Adoquin Delmas 33" in der Gemeinde Delmas angeboten, die zum Großraum der Hauptstadt Port-au-Prince gehört. In dem Lager sind tausende Menschen untergekommen, die infolge des Erdbebens vom Januar 2010 obdachlos geworden waren.

Als die Straßenverkäufer_innen Widerstand leisteten, begannen die Angehörigen der Straßenkontrollbrigade wahllos Schüsse abzufeuern. Eine Kugel traf dabei Carline Jean, eine Bewohnerin des Vertriebenenlagers und Mutter von sechs kleinen Kindern. Sie starb noch vor Ort an ihrer Schussverletzung. Nach diesem gewaltsamen Vorfall versammelten sich die Bewohner_innen des Lagers zu einem Protest. Dieser wurde nach Angaben von Angehörigen des Lagerkomitees von der Polizei unter Einsatz von Tränengas und scharfer Munition aufgelöst. Eine weitere Frau, Janvier Cloraine, und ein einjähriges Kind, Vilon Guery, sollen dabei Schussverletzungen erlitten haben.

Laut Angaben der Internationalen Organisation für Migration leben mehr als 15.000 Menschen in dem Vertriebenenlager "Acra Adoquin Delmas 33". Die Bewohner_innen des Lagers befürchten, dass es bei ähnlichen Einsätzen der Gemeindebehörde und der Polizei zu weiteren Gewalttaten kommen könnte.


SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte führen Sie sofort eine unabhängige Untersuchung zu der Tötung von Carline Jean und den Verletzungen von zwei weiteren Bewohner_innen des Vertriebenenlagers durch.
  • Veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Ermittlungen und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
  • Ich bin sehr besorgt über den Einsatz von Schusswaffen durch die Straßenkontrollbrigade von Delmas und die exzessive Gewalt, mit der die Polizei vorgegangen sein soll.

APPELLE AN

BÜRGERMEISTER VON DELMAS

Wilson Jeudy

Mairie de Delmas

Delmas 33, Rue Charbonière #69

Port-au-Prince

HAITI

(Anrede: Monsieur le Maire / Dear Mayor / Sehr geehrter Herr Bürgermeister)

E-Mail: mairiedelmas509@hotmail.com oder mairiedelmas509@gmail.com


GENERALINSPEKTEUR DER HAITIANISCHEN POLIZEI

Ralph Stanley Jean Brice

Inspection Générale de la Police Nationale d'Haiti

Delmas 2, route de Delmas

Port-au-Prince

HAITI

(Anrede: Monsieur l'Inspecteur général / Dear General Inspector / Sehr geehrter Herr Generalinspekteur)

E-Mail: jbriceralph@yahoo.fr


MINISTERIN FÜR MENSCHENRECHTE UND DIE BEKÄMPFUNG VON ARMUT

Roseanne Auguste

33, Boulevard Harry Truman

Port-au-Prince,

HAITI

(Anrede: Madame la Ministre / Dear Minister / Sehr geehrte Frau Ministerin)

E-Mail: roseanne.auguste@primature.ht


KOPIEN AN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HAITI

Herrn Patrick Saint Hilaire

Geschäftsträger a.i., Botschaftsrat

Uhlandstraße 14

10623 Berlin

Fax: 030-8862 4279

E-Mail: amb.allemagne@diplomatie.ht


Auf der Homepage der Homepage von Amnesty Deutschland gibt es außerdem die Möglichkeit sich online an der Eilaktion zu beteiligen.

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 12. November 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.


HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Im April 2013 wurde den Bewohner_innen des Vertriebenenlagers "Acra Adoquin Delmas 33" mit Zwangsräumung gedroht und ein Brandanschlag auf das Lager verübt. In der Folge blockierten die Lagerbewohner_innen bei einem Protest eine Straße, woraufhin Beamt_innen der Polizeistation Delmas 33 zwei Demonstranten festnahmen. Einen der beiden, Civil Merius, schlugen sie so brutal zusammen, dass er noch in Polizeigewahrsam an den Folgen seiner Verletzungen starb. Der andere Mann, Darlin Lexima, wurde am nächsten Nachmittag ohne Anklage wieder freigelassen. Er sagte Amnesty International, dass man ihn ebenfalls in Polizeigewahrsam geschlagen habe.

Weitere Informationen zu diesem Vorfall finden Sie in UA-098/2013 unter https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-098-2013/drohende-zwangsraeumung. Trotz einer von der haitianischen Menschenrechtsorganisation Defenseurs des Opprimés ("Verteidiger_innen der Unterdrückten") eingereichten gerichtlichen Beschwerde und zahlreicher Appelle von Amnesty International gibt es bisher keinerlei Hinweise darauf, dass eine gerichtliche Untersuchung zu diesen Fällen eingeleitet worden ist. Ende August erklärte der Generalinspekteur der haitianischen Polizei Delegierten von Amnesty International, dass die polizeiinternen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.

Laut der Internationalen Organisation für Migration umfassten die Notlager in Haiti Ende Juli 2014 noch immer 28.134 Haushalte, bzw. 103.565 Personen, die seit dem schweren Erdbeben vom 12. Januar 2010 in behelfsmäßig errichteten Unterkünften lebten. Das Erdbeben hatte mehr als 200.000 Tote gefordert und etwa 2,3 Millionen Menschen obdachlos zurückgelassen. Mehr als 16.000 Binnenflüchtlinge, die in Notlagern untergekommen waren, sind bisher Opfer von Zwangsräumungen geworden. Amnesty International hat zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen die Straßenkontrollbrigade von Delmas (Brigade de Contrôle des Rues, BRICOR) an Zwangsräumungen im Bezirk Delmas beteiligt war.





Eilaktion: Frauenrechtlerinnen bedroht II

Jenny Schöberlein  (06.08.2014, 15.00 Uhr)

Einige Mitglieder von GADES, einer haitianischen Menschenrechtsorganisation, sind bedroht worden, nachdem ein Polizeibeamter wegen Vergewaltigung eines minderjährigen Jungen verurteilt worden war. GADES unterstützt den Jungen und seine Familie während des Gerichtsverfahrens.

Bitte beteiligt euch per Post, Fax oder online an der Eilaktion, die Amnesty International aus diesem Anlass startete.

Details zu der Aktion und Kontaktadressen findet ihr hier.

Vielen Dank für Euer Engagement!




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