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Haiti Newsletter 02/2011

Jenny Schöberlein  (12.01.2012, 22.00 Uhr)

Im Downloadbereich unserer Homepage findet Ihr unseren aktuellen Haiti Newsletter für die zweite Jahreshälfte 2011.

  • Inhalt:
    • „Die Wahrheit kann man nicht töten“: Straflosigkeit und der Fall Duvalier. Eine deutsche Zusammenfassung des Berichts über Menschenrechtsverletzungen unter Jean-Claude Duvalier und Haitis Verpflichtung zur Aufarbeitung

    • Haiti vor dem UN Menschenrechtsrat: Eine Einschätzung von Amnesty International. Eine deutsche Übersetzung der kompletten Vorlage von Amnesty International zur 12. Sitzung der UPR Working Group im Oktober 2011.

    • Ausgewählte Presseartikel

    • Zur Lage der Menschenrechte in der Dominikanischen Republik. Schwerpunkt Polizeigewalt

    Wir freuen uns wie immer über Eurer Interesse und stehen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung!




Haitianische Behörden zwingen Erdbebenopfer in die Obdachlosigkeit

Julia Borst  (11.01.2012, 20.00 Uhr)

Anlässlich des zweiten Jahrestages des verheerenden Erdbebens vom 12. Januar 20120 findet ihr auf der internationalen Homepage von Amnesty International die Presseerklärung:



Haitianische Behörden zwischen Erdbebenopfer in die Obdachlosigkeit

Hunderttausende Haitianerinnen und Haitianer, die in provisorischen Camps leben, sind dem Risiko illegaler Zwangsräumungen und anderen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, sagte Amnesty International heute, zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben.

In den vergangenen Wochen haben die haitianischen Behörden eine Reihe von Zwangsräumungen von Camps auf öffentlichen Plätzen in der Hauptstadt Port-au-Prince fortgesetzt, was hunderte Opfer des Erdbebens vom 12. Januar 2010 wieder in die Obdachlosigkeit stürzte.

Ungefähr eine halbe Million Menschen leben noch unter prekären Umständen in den hunderten Zeltstädten in Port-au-Prince und Umgebung, zwei Jahre nachdem das Erdbeben 230.000 Menschen getötet und 300.000 verletzt hat.

“Als das Erdbeben Haiti vor zwei Jahren traf, stellte es ein nationales Trauma dar. Aber Obdachlosigkeit durch illegale Zwangsräumungen stellt eine vermeidbare Krise dar, die die Opfer erneut traumatisiert und Menschenrechte verletzt", so Javier Zúñiga, Special Advisor bei Amnesty International.

Eine kürzliche Zwangsräumung hat beinahe 1.000 Bewohner aus einem Camp auf dem Place Jérémie in Port-au-Prince in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember vertrieben.

Augenzeugen zufolge kamen 10 Personen, die Messer, Macheten und Stöcke schwangen, um 4 Uhr morgens am 21. Dezember in das Camp und begannen die Zelte zu zerstören. Das Camp war Berichten zufolge Heimat für 945 Menschen - 79 Familien, darunter auch schwangere Frauen, ältere Menschen und 225 Kinder.

Eine Frau, die auf dem Place Jérémie lebte, beschrieb die Zwangsräumung: "Ich schlief gerade, gemeinsam mit meinem 15 Tage alten Baby. Sie brachten das Zelt zumEinstürzen, ohne Vorwarnung. Ich konnte nichts mitnehmen. Ich konnte nur das Baby retten. Die ganze Babykleidung ist weg. Ich verbrachte die Nacht [draußen] und hatte nichts, um das Kind zuzudecken."

Einige Stunden zuvor hatten zwei Männer einer lokalen Bewegung, der Association des Jeunes Progressistes du Bas-Peu-de-Choses, das Camp besucht, um von Zelt zu Zelt zu gehen und die Bewohner zu zählen.

Den vertriebenen Bewohner wurden später Umschläge mit Summen zwischen 1.000 und 10.000 Gourdes überreicht (US$25 bis US$250).

Drei Polizeiautos wurden zur Zeit der Zwangsräumung in der Gegend gesehen, aber die Polizei griff nicht ein. Beamte wurden auch beschuldigt an der Zwangsräumung beteiligt gewesen zu sein

Als lokale NGOs die Behörden von Port-au-Prince nach dem Vorfall befragten, verleugnete ein Sprecher jegliche Verantwurtung für die Zwangsräumung oder die Umsiedelung der obdachlosen Familien.

Nach der Zwangsräumung auf dem Place Jérémie forderte eine Gruppe haitianischer NGOs Antworten zu dem Vorfall von den haitianischen Behörden, aber niemand hat die Verantwortung dafür übernommen

Vertriebene Haitianer berichten vermehrt über Taktiken, die angewandt werden, um sie dazu zu zwingen die Camps zu verlassen, die sie seit dem Erdbeben 2010 bewohnt haben, darunter auch Bestechung mit Bargeld und Bedrohung durch Sicherheitskräfte oder bewaffnete Gruppen.

Die Zwangsräumungen finden häufig ohne jegliche vorherige Ankündigung oder Beratung mit denjenigen Stadt, die in den Camps leben. Häufig wird Gewalt angewandt, manchmal mit dem Wissen oder direkter Beteiligung der haitianischen Polizei.

Amnesty International hat wiederholt die haitianischen Behörden aufgefordert, die nationalen Gesetze und internationalen Richtlinien zu erfüllen, die für die Umsiedelung der Erdbebenopfer aus den provisorischen Camps gelten.

Die Organisation hat wiederholt die UN und die internationale Gemeinschaft gebeten, die haitianische Regierung mehr darin zu unterstützen, den Binnenflüchtlingen eine angemessene Alternative zum Wohnen zu geben und zu garantieren, dass Zwangsräumungen nicht toleriert werden

Respekt für die Menschenrechte muss zentral sein für den Rekonstruktionsplan der haitianischen Behörden - Zwangsräumungen der Camps müssen vorgegebenen Richtlinien folgen und den vertriebenen Familien muss eine angemessene Alternative geboten werden", so Javier Zúñiga.

Am ersten Jahrestag des Erdbebens hat Amnesty International einen Bericht veröffentlicht, der dokumentiert, dass Frauen und Mädchen in den Camps einem größeren Risiko der Vergewaltigung und sexuellen Gewalt unterliegen, wie sie häufig von bewaffneten Männern ausgeübt wird, die nachts durch die Camps streifen.

Bisher wurde wenig getan, um die Situation zu verbessern und haitianische Frauen und Mädchen sehen sich immer noch verabscheuenswürdiger Gewalt ausgesetzt.



Zum Originalreport "Haitian authorities forcing quake victims into homelessness"




Auf der Suche nach Zuflucht

Jenny Schöberlein  (08.12.2011, 15.00 Uhr)

Haiti wird Zeuge einer „Epidemie von Vergewaltigungen“ – Vergewaltigungen, die in Anzahl und Brutalität zunehmen. So berichtet es die englische Tageszeitung The Guardian am 21. November in dem Artikel „A Search for Sanctuary“ unter Berufung auf die haitianische Frauenrechtsorganisation KOFAVIV (Komisyon Fanm Viktim Pou Viktim).

Obwohl sexuelle Gewalt gegen Frauen in Haiti kein neues Phänomen sei, so äußern sich Frauenrechtsorganisationen und Ärzte dennoch alarmiert angesichts der aktuellen Entwicklungen. Die Gewalt treffe zunehmend auch Kinder, mangelnder Schutz in den Camps mache die Frauen zusätzlich verwundbar und KOFAVIV berichtet von Opfern, die erschossen wurden, nachdem sie Vergewaltigungen zur Anzeige brachten.

Der Artikel zitiert außerdem Javier Zuñiga von Amnesty International, der auf die Probleme der geschwächten staatlichen Institutionen und den mangelnden Schutz durch die UN verweist. Die Frauen werden in den Camps vergewaltigt und sind gezwungen dort zu bleiben – im unmittelbaren Umfeld von Tätern, die in der Regel nicht zur Verantwortung gezogen werden.

In Abwesenheit adäquater Schutzmechanismen haben die Opfer begonnen sich selbst zu helfen: Die Frauen von KOFAVIV , größtenteils selbst Opfer von sexueller Gewalt, patrouillieren in den Camps, klären die Frauen auf, helfen beim Gang ins Krankenhaus oder zum Anwalt und helfen finanziell wo sie können.

"Nach allem was ich durchgemacht habe, und was meiner Tochter und meiner Enkelin wiederfahren ist, ist es das Wissen, dass ich jetzt Teil einer Bewegung bin, das mich weiter machen lässt, vereint mit Anderen im Kampf gegen sexuelle Gewalt“ zitiert der Artikel Helia, Vergewaltigungsopfer und KOFAVIV-Aktivistin.

Angesichts des Ausmaßes des Problems tue die UN zu wenig für den Schutz der Frauen, zitiert der Artikel Javier Zuñiga weiter. Einen Vorwurf, den Mariano Fernández, Sondergesandter des UNO Generalsekretärs, in einer Antwort auf den Artikel zurück weist.

Es sei falsch zu behaupten, die UN tue nicht genug um das Problem der sexuellen Gewalt anzugehen, schreibt er im Guardian am 30. November. Die UN wisse um die Schwere des Problems und habe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um sexuelle Gewalt in den Camps zu bekämpfen. Er verweist unter anderem auf Polizeistationen, die die UN gemeinsam mit der Haitianischen Nationalpolizei in den sieben größten Camps errichtet habe und auch auf eine speziell ausgebildete UN-Einheit, die explizit dafür geschaffen wurde, rund um die Uhr auf Berichte sexueller Gewalt zu reagieren.

Doch Mariano Fernández erkennt auch an, dass sexuelle Gewalt in Haitis Camps noch immer ein schwerwiegendes Problem ist – und eines, das noch weit mehr Handlung erfordert. Langfristige, nachhaltige Lösungen lägen in einer Stärkung des Justizsystems und der sozialen und medizinischen Dienstleistungen, sowie in Bildung und in der finanziellen und rechtlichen Stärkung der Frauen.




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