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Eilaktion: Drohende Zwangsräumung und Festnahmen

Jenny Schöberlein  (13.03.2013, 01.00 Uhr)

Im Grace-Village Camp in Carrefour sind zahlreiche Menschen von Vertreibung und möglicherweise willkürlicher Festnahme bedroht.

Eine Eilaktion findet Ihr auf der Homepage der deutschen Sektion hier (auch online abschickbar).

Vielen Dank für Euer Engagement!




Eilaktion: Vertreibung hunderter Familien aus zwei Camps in Port-au-Prince

Jenny Schöberlein  (03.02.2013, 15.00 Uhr)

Hunderte Familien sind aus zwei provisorischen Lagern in der Hauptstadt Port-au-Prince vertrieben worden. In beiden Lagern hatten die BewohnerInnen nicht genügend Zeit erhalten, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen, bevor ihre Unterkünfte zerstört wurden.

Am 12. Januar, dem dritten Jahrestag des verheerenden Erdbebens, das 200.000 Menschen das Leben kostete und 2,3 Millionen Menschen obdachlos machte, haben StadtbeamtInnen und Angehörige der Zivilschutzbehörde etwa 600 Familien aus dem Lager Place Sainte-Anne im Stadtgebiet von Port-au-Prince vertrieben. Die Bewohner des Lagers waren erst fünf Tage zuvor von der Zwangsräumung unterrichtet worden. Man versprach ihnen 20.000 Gourdes (etwa 360 Euro) pro Familie. Der NGO Groupe d'Appui aux Refugiés et Repatriés zufolge steht die Zahlung an 250 Familien noch aus. Am Tag der Räumung erhielten die Familien nicht genügend Zeit, um ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen, bevor ihre Unterkünfte zerstört wurden.

Am 22. Januar vertrieben PolizeibeamtInnen 84 Familien gewaltsam aus einem anderen, ebenfalls im Stadtbereich von Port-au-Prince liegenden, Lager namens Fanm Koperativ. Begleitet wurden die BeamtInnen von einer Gruppe Männer, die mit Macheten und Hämmern bewaffnet waren. Ein Mann wurde schwer verletzt. Die Zwangsräumung erfolgte ohne Vorankündigung und obwohl ein Friedensrichter anwesend war, wurde keine richterliche Anordnung für die Räumung vorgelegt. Auch hier erhielten die Familien keine Zeit, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen, bevor ihre Zelte und Schutzunterkünfte niedergerissen wurden. Wenige Tage vor der Zwangsräumung hatten BewohnerInnen eine Pressekonferenz einberufen, auf der sie die mangelnde Unterstützung von Seiten der Behörden in ihrer Situation anprangerten. Die BewohnerInnen gehen davon aus, dass es sich bei der Vertreibung um eine Vergeltungsaktion für ihre Proteste handelt.

Amnesty International ist höchst besorgt, dass die Zwangsräumungen von Behelfslagern entgegen internationaler Menschenrechtsstandards weiterhin fortgesetzt werden.


Details zu der Eilaktion, die auch als online Aktion möglich ist, findet Ihr auf der Homepage der deutschen Sektion von Amnesty International hier.

Vielen Dank für Euer Engagement!




“Kein Dach, keine Wurzeln”

Jenny Schöberlein  (14.01.2013, 23.00 Uhr)

Drei Jahre nach Haitis zerstörerischem Erdbeben, sehen sich nun tausende Menschen dem Risiko der gewaltsamen Vertreibung aus ihren Zelten ausgesetzt.

Virgiela war sechs Tage unter Geröll gefangen, nachdem das Erdbeben vom 12. Januar 2010 Haiti traf. Ihr Haus in der Hauptstadt Port-au-Prince wurde zerstört. Die Entschlossenheit wieder mit ihren Kindern und Enkelkindern vereint zu werden trieb sie an zu kämpfen.

Im Dezember 2011 wurde ihr Zelt, zusammen mit einem Zeltlager von Binnenflüchtlingen auf dem Place Jérémie während einer Zwangsräumung zerstört und 134 Menschen landeten erneut auf der Straße. Das Wenige was sie besaßen wurde entweder zerstört oder gestohlen. Virgiela und ihre Familie waren wieder obdachlos. Da sie nirgendwo hatte wo sie sonst hingehen konnte, schläft Virgiela jetzt auf der Veranda des Hauses ihrer Schwester. Ihre Kinder und Enkelkinder leben getrennt in den bereits überfüllten Häusern von Familie und Freunden.

Haitis Erdbeben hinterließ 200.000 Tote und 2,3 Millionen Obdachlose. Heute wohnen fast 350.000 Menschen immer noch in Unterkünften aus Planen, Eisen und Bettlaken. Diese behelfsmäßigen Camps bieten sehr wenig an auch nur grundlegendster, notwendiger Versorgung wie fließend Wasser, Toiletten und Müllentsorgung. Gleichzeitig hat Haiti weniger als die Hälfte der 6,5 Milliarden USD erhalten, die die internationalen Geber versprochen hatten, um dem Land beim Wiederaufbau zu helfen.

Ende September 2012 lebten fast 80.000 Menschen mit der Gefahr möglicher Zwangsräumungen. Bis jetzt wurden etwa 60.000 Menschen zwangsweise aus den Camps vertrieben. Die meisten von ihnen lebten in Zelten auf privatem Land mit ungeklärten Besitzverhältnissen. Durch das Erdbeben bereits entwurzelt und gezwungen unter oft entsetzlichen Bedingungen zu leben, sind diese Menschen in ständiger Angst alles erneut zu verlieren.

Amnesty International hat ein Muster von Zwangsräumungen von Binnenflüchtlingen dokumentiert, ausgeführt oder toleriert durch die haitianischen Behörden. Die überwiegende Mehrheit solcher Zwangsräumungen wurde durch mutmaßliche Landbesitzer durchgeführt, die von den Binnenflüchtlingen mit Hilfe von Einschüchterung und Gewalt ihren Besitz zurück forderten. Es gibt keine wirkliche Beratung im Vorfeld und den Binnenflüchtlingen werden weder alternative Unterkünfte noch Kompensationen angeboten. Insofern stehen die Zwangsräumungen in klarer Verletzung internationaler Standards.

Die haitianischen Behörden müssen schnellstmöglich handeln um sicherzustellen, dass andere Familien nicht dasselbe Schicksal erleiden wie Virgiela. Haitis Binnenflüchtlinge brauchen nachhaltige Lösungen um die Wohnraumkrise zu lösen. Die Internationale Gemeinschaft sollte außerdem ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen, die sie bei der Geberkonferenz im März 2010 gemacht hat, um Haiti beim Wiederaufbau zu unterstützen.


Dieser Text ist eine Übersetzung des Blogeintrags No roof, no roots. Veröffentlicht bei Amnesty International LiveWire am 11. Januar 2013.




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